Besuch auf der kleinen Wache


Heute durfte ich mit auf Henriks Wache! „Geil!“ , dachte ich mir, „Ich werde Henrik dabei zusehen, wie er das Feuer mit bloßen Händen erwürgt und ein Kind rettet!“ – Aber daraus wurde nix. Henrik meinte, ich dürfte nicht mit rausfahren, wenn es spannend wird. Naja, es würde bestimmt trotzdem interessant. Und hier im Regal sitzen und zustauben könnte ich danach immer noch genug.

Fanfaren- Surfen!

Fanfaren- Surfen!

Es ist nur eine kleine Feuerwache, aber trotzdem war es mir dort nicht langweilig. Dort sind nämlich quasi gleich vier Feuerwehren untergebracht: Eine Löschgruppe der Freiwilligen und drei Schichten der Söldner. „Vier Feuerwehren“ deshalb, weil manchmal jede Schicht und die FF ihr eigenes Süppchen kochen oder zwischen den Teilnehmern dieser Veranstaltung auch schon mal gerne Informationen verloren gehen …  Das sind allerdings in der Regel nur Kleinigkeiten – die aber nicht nur meinen neuen Adoptivvater ziemlich nerven. Zum Beispiel haben die da eine Kaffeemaschine mit so speziellen Filtern. Die bekommt man nicht in jedem Laden, darum sollten dort immer schichtenübergreifend ein paar Filter an der Maschine liegen. Aber irgendein Jäger und Sammler ist immer da, der von Zeit zu Zeit die Filter irgendwo einschließt und hortet. Falls die „allgemeinen“ mal alle sein sollten. Tja. Dann stehen die nächsten nach dem Schichtwechsel da, ohne Filterpapier. Und Behörde ohne Kaffee? Fuck off, iss nicht!  Aber Gott sei Dank haben die sich dann auch schon mal ein paar Filter an die Seite geschafft, so dass man sich bis zum nächsten Tag erst mal helfen kann. Also: Auf der Wache laut schimpfen, dass „die Bekloppten schon wieder die Filter geklaut haben“, und die eigenen „geklauten“ rausholen. Die Katze beißt sich in den Schwanz. Sollte ich mal machen, dann wäre was los! Das Gleiche passiert schon mal mit dem Seifenvorrat, den Papierhandtüchern, den Küchenbürsten … irgendwie ist das manchmal ganz schön kindisch. Aber wattwillzemachn.

Die Beruflichen besetzen dort ein Löschfahrzeug, die Freiwilligen haben gleich zwei davon, und einen Kleinbus. Die kommen ja auch bei Alarm gleich mit einem ganzen Arsch voll Feuerlöschern! Dann brauchen sie eben auch Transportmittel. Die Zeit, sich ein Taxi zu rufen, haben sie schließlich nicht. Jedenfalls durfte ich auf Henriks Schicht mal den Wachbetrieb kennen lernen. Henrik hat das zwar nicht zu bestimmen, aber sein Schieber meinte, das ginge in Ordnung; Affen gäbe es anderswo schließlich auch genug.

Ich darf Häkchen machen! Ich bin wichtig!!!

Ich darf Häkchen machen! Ich bin wichtig!!!

Zu Beginn (also, gleich nach dem Kaffee kochen, bzw. die Plörre, die sie so betiteln) wurde das Dienstauto mit den Brandschutzbuchsen und den Hurratüten bepackt und kontrolliert. Erst mal grundsätzlich, ob es überhaupt anspringt, und dann im Detail, ob auch alles da ist und funktioniert. Dafür haben sie eine Liste, auf der alle Geräte verzeichnet sind. Die durfte ich dann auf Ansage abhaken, wenn Henrik die Klamotten im Auto gefunden und für gut befunden hatte! Ich fühlte mich so … offiziell? Behörde halt. Isso. Anschließend haben sich alle im Aufenthaltsraum versammelt. Natürlich wieder mit dieser warmen Plörre aus den Spezialfiltern. Der Chef hat dann die Neuigkeiten verbreitet und angekündigt, was in der Schicht so alles anliegt. Also, außer den Einsätzen, denn die kommen immer ziemlich spontan. „Feuerwehr“ ist da mehr so ein „Ad- Hoc- Geschäft“, verstehsse? 😉 Eine kurze Übung mit der Leiter auf dem HLF, um das Ding mal wieder zu bewegen, und kleinere Arbeiten auf der Wache wie Leuchtröhren austauschen und Abflussrinne in der Halle säubern füllten den Rest des angebrochenen Morgens bis zur Mittagspause.  Ach ja, zwischendurch waren sie mal eine halbe Stunde weg. War aber kein Einsatz, sondern Henrik meinte, sie hätten sich eine Baustelle angesehen. Man muss ja sicherstellen, dass trotz Baustelle noch der Rettungsdienst und die Drehleiter überall hin kommen! Tja, und kaum will man sich hinsetzen, um Kaffee zum Essen zu schlürfen (erwähnte ich schon dieses Getränk? …), geht das Licht an, aus den Lautsprechern kommt ein Gong und eine Durchsage – und Henrik und die anderen Kollegen waren weg. Toll. Jetzt lag ich da so auf dem Tisch rum. Etwa zwei Stunden.

Kurz vor dem Dekubitus an meinem pelzigen Arsch kamen sie zurück. Henrik erzählte mir, sie hätten nach einem Verkehrsunfall einen Ölfleck auf der Straße abgestreut und zusammengefegt. Irgend ein junger Spritzer hätte eine Kurve nicht gekriegt und wäre volle Möhre vor so einen Blumenkübel gerauscht. Während er also bei der Polizei pusten musste (waren die Pommes zu heiß?), fegten sie unter dem Geschimpfe der anderen Autofahrer, die nicht richtig vorbei fahren konnten, auf dem Asphalt das Katzenstreu zusammen. Feuerwehr hatte ich mir viel dramatischer vorgestellt! Irgendwie mit mehr Flammen und so. Kennt man doch aus dem Fernsehn! Aber „Straßenreinigung“? Der will mich doch verarschen … Auf dem Rückweg hätten sie noch schnell getankt und das Abendessen eingekauft. Mit dem Feuerwehrauto vor dem Supermarkt, das stelle ich mir auch töfte vor! Ob die dann an der Kasse wohl von den anderen Kunden vor gelassen werden?

Nun ja, jetzt ging es jedenfalls in die „Eisenkammer“, wo es Gelegenheit gab, ein wenig die Fitness für den Dienst zu trainieren. Also, ich war etwas enttäuscht von der Bude: Ein Kellerraum mit verschiedenen Pumpstationen, Laufband, Crosstrainer und in einer Ecke ein wenig Gerümpel, das irgendwo auf der Wache übrig geblieben waren, aber die man noch nicht wegwerfen wollte. Jaja, eng ist es hier auf der Fire Station.

Der Arbeitstag war damit eigentlich schon rum. Abends wurde noch lecker gekocht. Henrik meinte aber, dass ich das nicht zu Hause herum erzählen sollte. Dort verkündet er nämlich immer, dass er in der Küche nicht helfen könne, weil er der Kochkünste nicht mächtig sei. Und hier scheppert er mit dem Ausbeinmesser durchs Gemüse wie ein Ninja! Jaja  …

Dieses mal konnten die Jungs zwar essen, aber mussten dann mit vollem Ranzen noch mal raus. Ich verstand bei der Alarmdurchsage nur irgendwas von „Trageunterstützung“. Aber das kann ja wohl kaum sein, die Männers in Blau sind doch keine Möbelpacker! – Dachte ich. Als sie nach einer halben Stunde wieder da waren, erzählte Henrik mir nämlich, dass sie einen etwas klopsigen Patienten gemeinsam mit der Rettungswagenbesatzung in das AOK- Taxi schleppen mussten. Die Jungs auf dem RTW sind schließlich nur zu zweit, da können die schon mal Hilfe beim Tragen gebrauchen. Nun gut, wieder kein Großbrand. Irgendwie hatte ich mir das auch anders vorgestellt.

Die Chicks im TV haben früher auch mal geiler ausgesehen ...

Die Chicks im TV haben früher auch mal geiler ausgesehen …

Nach zwei, drei Stunden Fernsehprogramm und einem Kontrollgang durch die Wache (wie ein Wachmann im Museum, hihi!) ist Henrik dann „in die Ladeschale“, wie er immer sagt. Dort wird aber nicht etwa geschlafen! Nein: Feuerwehrleute „ruhen“ nur. Sagt Henrik. Das sei per Definition „das reglose, energiesparende Verharren in ständiger Aufmerksamkeit und Einsatzbereitschaft“. Sagt Henrik. Aha. Hat sich später allerdings etwas anders angehört, der Henrik …

Nachts ging noch mal das Licht an, weil irgendwo ein Container brannte. Ehe ich richtig wach war, hüpfte Henrik schon mit halb hochgezogener Hose durchs Zimmer und zur Tür raus! Ich glaube aber, er war eigentlich auch noch nicht richtig wach. Feuerwehrleute können das wohl schon im Schlaf. Die wachen dann erst auf dem Auto auf.  Als Henrik dann zurück kam, schimpfte er noch über „die Idioten, die nachts nichts besseres zu tun haben, als illegal Abfall zu verbrennen“, und legte sich wieder hin.

Büschn diesig. Die Nachbarn lüften wohl das Schlafzimmer...

Büschn diesig. Die Nachbarn lüften wohl das Schlafzimmer…

Morgens wurde der Tag wieder mit diesem seltsamen aromatischen Heißgetränk begonnen. Irgendwie scheint das eine Art „Beamtentreibstoff“ zu sein. Ich hatte mich mittlerweile auch schon daran gewöhnt. Mit Milch und Zucker konnte man das Zeug sogar trinken, ohne kahle Stellen im Fell zu bekommen.  Nachdem die Sozialräume aufgeräumt waren, kam auch schon der erste Kollege der nächsten Schicht. Und ärgerte sich über die seltsamerweise schon wieder fehlenden Kaffeefilter! 🙂

Also, wenn ich bedenke, was ich vorher dachte, wie das bei der Feuerwehr so läuft, bin ich doch fast enttäuscht. An Küche putzen, Straße fegen und Behördenkram anhören hatte ich jedenfalls nicht gedacht. Bei „Chicago Fire“ sah das viel spannender aus.

 

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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Eine Antwort zu Besuch auf der kleinen Wache

  1. energist schreibt:

    Da hast Du Dir aber eine schöne Haube zum Sitzen ausgesucht, lieber Paul 👍

    Und daß verschiedene Wachabteilungen nicht alles brüderlich miteinander teilen ist selbstredend ein böses Gerücht!

    Gefällt mir

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