Bananen und Treckies


Mein Chef hat mich mal wieder auf Reisen geschickt: Ich sollte von jemandem mit auf eine „Fett Kon“ genommen werden. In Bonn, quasi umme Ecke. Konnte ich mir nichts drunter vorstellen. Weight Watchers und SlimFast? Sumo- Treffen? Maschinenöl und Frittenfett? Wattweißich … Das Happening sollte gleich mehrere Tage dauern. Aber so kam ich endlich mal wieder raus aus der Bude!

Hamburg ist mir sympathisch. Da gibt's lecker Frappucki... Frappuschi... Kaffee.

Hamburg ist mir sympathisch. Da gibt’s lecker FrappuckiFrappuschi… Kaffee mit Sahne.

Ozyan klärte mich auf vorsichtige Nachfrage erst einmal auf, was mich erwarten würde: „Das heißt nicht „Fett“-, sondern „FedCon“. Dahin kommen SciFi- Fans, die können dort Autoren und Schauspieler treffen, Kostüme zur Schau tragen und Autogramme bekommen! Gibt es schon seit 1992.“ Nun ja, nach all dem THW- und Feuerwehrgedöhns konnte etwas Abwechslung nicht schaden.

Der Typ wohnte in Hamburg. Also erst im Karton zu ihm, dann nach einer Stärkung im Rucksack wieder zurück nach NRW. Mit einem Kumpel. Doch bevor wir noch weitere SciFi- Bekloppte trafen und das Hotel in Bonn okkupieren konnten, genossen wir das Leben erst einmal in vollen Zügen. Okay, der Zug war nicht die ganze Zeit voll …

Das Hotel, in dem wir noch weitere Treckies trafen, war nicht gerade eines mit einem Arsch voll Sternen, dafür scheinbar mit einem gewissen Renovierungsstau. Und Hinweiszetteln, die man auch nicht überall findet: Neben „Don’t fart in the elevator!“ und „Don’t dump in the pool!“ hingen da auch Zettel, die ich nicht gerne wiedergeben möchte …   Auf jeden Fall aber war das Veranstaltungshotel besser als meine Kiste, in der ich auf dem Postweg verharren musste. Hier gab es wenigstens mal ein Klo! Dafür bezahlten wir aber auch Kurtaxe, offiziell „Beherbergungssteuer„. Hätten wir in Bonn auch nicht gerade erwartet. „Kurstadt Bonn“, oder wie?

BANANAS!!!!!

BANANAS!!!!!

Anschließend machten wir mit insgesamt sieben Mann/Frau/Sonstiges die Gegend unsicher. Zunächst ging es in den größten Süßigkeitenladen, den ich je gesehen hatte: Ein HaRiBo Fabrikverkauf!! Ihr kennt HaRiBo? Heißt „Hans Riegel, Bonn“. Sein Schwager Valentin Giesen aus Nassau wollte angeblich gerüchteweise auch einen ähnlichen Laden aufmachen. Die mögliche Abkürzung für die Bude ließ ihn dann aber Abstand von der Idee nehmen … Jedenfalls gab es hier unendliche Mengen an Süßkram. Alter, da standen Tonnen von Hüftgold herum! Insbesondere hatte es mir ein Turm aus Bananen angetan. Ich bin fast wahnsinnig geworden – bekam ich doch die fuckin‘ Eimer nicht auf! Ich durfte aber sowieso nichts davon mitnehmen. Ozyan meinte, ich würde zu fett und müsste dann als Paket zurückgeschickt werden, weil ich dann für ein Päckchen zu schwer sei. Frechheit. „fett“ hat er mich genannt. Aber die anderen durften natürlich essen, was sie wollten. Klasse.

Nach einem späteren Pizzaessen (der Spanier war voll – also, zumindest das Restaurant. Wir haben dann einen Tisch für sechs Personen und einem Exoten für den letzten Abend dort gebucht. Aber Italiener sind ja auch Südländer …) ging es dann in die Hotelbar, wo mit fortschreitender Stunde die Stimmung stieg – bis alle zu „Who let the dogs out“ kläffend vor der Theke standen. Wohl das musikalischste, was an dem Abend noch zu erwarten war. Zur Nacht eröffnete man mir dann noch eine Überraschung, von der ich zunächst nicht wusste, ob ich sie gut heißen sollte:

Stundenlang konnte ich ihr von Bananen erzählen ...

Stundenlang konnte ich ihr von Bananen erzählen …

„Ey Paul, kennze Pénci- Bär? Stell dich gut mit ihr: Du musst dir ein Bett mit ihr teilen!“, krakehlte Ozyan aus dem Bad. Hallo? Für irgend so eine Tusse soll ich mein Lager hergeben? Der spinnt wohl?? – Doch nachdem ich sie kennen gelernt hatte, musste ich einsehen: Soooo schlimm war das gar nicht. Immerhin verstanden wir uns recht gut, wie man auf dem Bild sehen kann …

Mein Gott, ist der Film schon so alt? ;)

Mein Gott, ist der Film schon so alt? 😉

Am nächsten Tag, es war der Freitag, bummelten wir zum ersten Mal durch die FedCon: Händlerstände für Cyber- Tand, Freakstuff und Gadgets, bis hin zu Schuhen und – natürlich – Comics. Man konnte gegen die Ausgaben kaum anmalochen, um die Kohle zu beschaffen! Auch Fototermine mit Schauspielern konnte man kaufen. Zum Beispiel mit einem gewissen Dominic Keating, der mir irgendwie bekannt vorkam … (später hörte ich, dass er u.a. in Star Treck mitgespielt hat).  Die vielen Leute in Kostümen ihrer Lieblings- Filmfiguren fand ich allerdings viel interessanter: Von Prinzessin Leia (ein wenig in die Jahre gekommen…) über einen weiblichen Han Solo bis hin zu übergroßen Waschbären auf Dope war alles dabei! Cool, so eine „Con“. Jede Menge Bekloppte auf einem Haufen!

Genau das Richtige für mich.

Es. Ist. So. Geil. XD

Dieses Gesicht! Es. Ist. So. Geil. XD

Wer übrigens nicht ganz so bekloppt war, fühlte sich scheinbar nicht immer so wohl dort: Romanautor Christian Humbert (u.a. Autor „Drachengasse 13“, „Perry Rhodan“, Übersetzungen von „Star Treck“- Romanen) setzte beim Foto mit mir eine Mine auf, die zu sagen schien: „Was zur Hölle muss ich eigentlich noch alles für diesen Job tun …?“ Er hätte scheinbar lieber einen Termin bei seinem Zahnarzt gehabt, als für Fans einen Feuerwehr- Plüschaffen in die Kamera zu halten. Ich wäre fast geplatzt, als ich das Gesicht gesehen habe, und musste mich wegdrehen!

Auch William Shatner fühlte sich in dem Trubel scheinbar etwas überfordert, was nicht bei jedem Fan gut ankam. Schade, dabei sollte man doch gerade als Captain eines großen Raumdampfers alles im Griff haben.

Es gab noch Shotings mit Manu Intiraymi (der Borg aus Star Treck), Marina Sirtis (Deanna Troi, Star Treck) und Walter Koenig (Chekov, auf der Enterprise). So in Zivil sahen die aber eher wie die Leute aus, die in altmodischen Cafes herumlungern, weil sie nicht viel zu tun haben.

FedCon 13 - Kollegen-2

Henjek und Stenjek im Sicherheitsdienst

Beschäftigt waren hingegen die Kollegen des Sicherheitsdienstes: Eigentlich wollte ich mit ihnen als Betroffene ein wenig über Rentnerjobs und Altersarmut unterhalten,  aber irgendwie hatten sie plötzlich viel zu tun. Schade, soziale Themen interessieren mich. Aber so blieb es nur bei dem flüchtigen Foto.

Der erste Tag war schnell durch, meine Füße taten bis in die Schwanzspitze weh, und ich war froh, als ich wie ein Stein in das Hotelbett fiel. Auf irgendwelche Annäherungsversuche an Pénci hatte ich leider keine Lust mehr. Vielleicht morgen …

viel zu früh!

viel zu früh!

Am Samstag ließ man mich aber trotzdem nicht ausschlafen: Mitten in der Nacht, um halb sechs (!!!!!!!!!), trieb mich Ozyan aus der Kiste: „Aufstehen! Wir müssen uns zur Con 17 anmelden!“ Ich war entsetzt: „Watten? Die ist doch erst im nächsten Jahr! Bisse bekloppt? Ach ja, ich vergaß …“ Er aber ließ sich nicht beirren: „Los jetzt! Der frühe Vogel frisst den Wurm!“ Ich brummelte zurück: „Jaja. Und der fette Vogel bricht den Ast.“ Half aber nix: Wir mussten erst zur Anmeldung („2017? – Da kann ich schon tot sein!“), dann zum Frühstück. Merkta? Die Reihenfolge ist katastrophal.

Es gab wiederum mehrere Fotos mit Schauspielern (Pille, Lieutenant Hikaru Sulu), Autogrammstunden und sogenannte „Pannels“. Da steht dann der Schauspieler auf der Bühne und referiert über seinen Job. Die Fans hängen dann natürlich an den Lippen! Also, mehr so bildlich …

Unglaublich viel Detailliebe in manchen Kostümen!

Unglaublich viel Detailliebe in manchen Kostümen!

Aber Cosplayer rannten da wieder rum, dass man sich schon fragen musste, ob diese Menschen noch etwas Zeit neben ihrem Hobby, dem Fertigen und zur-Schau-stellen der Kostüme, hatten. Nebenbei traf Ozyan noch eine alte Freundin, die er seit Ewigkeiten nicht gesehen hatte – und ihn hier fast über den eigenen Haufen rannte. Zufälle gibt’s…

Abends fiel ich wieder wie tot ins Bett. Wobei, so wirklich leben tu ich ja nicht … 😉  Nach einer wiederum sehr kurzen Nacht gab es ein Problem im Speisesaal des Veranstaltungsortes. Überfüllt, laut, und der Chef hatte wohl die Stärke seiner Truppe überschätzt: Wir konnten etwa 20 Minuten die Hinterlassenschaften unserer Tischvorgänger begutachten, bevor das alte Geschirr überhaupt weggeräumt wurde. Die Kumpels scheuerten mit ihrem Arsch die Stühle blank: Wollten sie doch noch eine Menge Promis sehen! Und das hier ging alles von der Zeit ab! Ich hatte zwar schon keinen Überblick mehr, wen man wo gesehen und gehört hatte, aber was so Trecki- Fans sind, die kriegen ja den Hals nicht voll…

FedCon 32 - Karl Urban

Übermüdet, geplagt, geduldig: Karl Urban

In Erinnerung geblieben ist mir allerdings nur der Vortrag von einem Herrn Zitt über die Raumpatrouille Orion, der munter über Tricktechniken und Kostüme der Serie referierte. Ach ja, und ein sichtlich angeschlagener und von Heuschnupfen geplagter Karl Urban, der sich trotzdem alle Mühe mit seinen Fans gab. An ihm konnte man sehen: Wenn man sich von seinem Manager auf so eine Veranstaltung schicken lässt, muss man auch etwas daraus machen. Oder absagen.

Am Abend folgte nach der Abschlusszeremonie ein gemeinsames Essen bei dem Südeuropäer, bei dem wir am ersten Abend schon gebucht hatten. Lustig wars. Aber den Bananen vom Hans trauerte ich immer noch hinterher, als ich in der letzten Nacht im Hotelbett lag. Auch Pénci war taurig, dass wir am nächsten Tag schon wieder abreisen sollten.

Morgens haben wir dann nur noch schnell gefrühstückt, alles gepackt (Handtücher klauen lohnte in dem Schuppen nicht) und uns auf den Zug geschwungen. Auf 450km schaffte die Bahn dann eine Stunde Verspätung. Naja, zumindest sind bisher alle Züge angekommen – was man bei Postsendungen nicht immer behaupten kann!

Da war ich nun wieder in Hamburg. „Weißt du was?“, stieß mich Ozyan plötzlich begeistert an. „Zum Abschluss gehen wir morgen noch mal durch den Hafen, bevor du wieder ins Ruhrgebiet fährst! Wo du doch schon mal am Wasser bist …“ Ich fand, das hörte sich gut an. Nach all den Verrückten mussten ein paar „Normalos“ gut tun.

Aber davon beim nächsten mal.

 

 

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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Eine Antwort zu Bananen und Treckies

  1. nessi6688 schreibt:

    Woah, den Vortrag über Orion hätte ich auch gerne gehört. Toller Bericht und tolle Bilder! 🙂

    Gefällt mir

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